Die Poller Schachesel bleiben in der Bezirksklasse. Mit einem klaren 15:8-Sieg bei der Spielvereinigung Kalk-Deutz machten sie den Klassenerhalt schon am vorletzten Spieltag perfekt.

Die Tabelle der Bezirksklasse Ost nach dem Spieltag am 26. April 2026
Die Tabelle der Bezirksklasse Ost nach dem Spieltag am 26. April 2026. Für eine größere Ansicht bitte auf die Tabelle klicken

Dabei hatte zunächst alles nach einem Abstiegskrimi ausgesehen: Tabellenletzter gegen direkten Konkurrenten. Doch die Spannung verpuffte früh. Kalk-Deutz konnte die Bretter 3 und 4 nicht besetzen – zwei kampflose Punkte für Poll. Bitter für die Gastgeber, die ohnehin eine schwierige Saison hinter sich haben. Für die Esel Werner Zitz und Claus Bürvenich, die umsonst in Deutz waren, war das eher zu verschmerzen.

Sportlich wurde es trotzdem interessant. An Brett 2 kam es zum Duell zweier Staffelleiter im Schachverband Mittelrhein. Dirk Heidmann, der die Verbandsliga Süd betreut, spielte gegen Christoph Krenzel, der sich um unsere Bezirksklasse Ost kümmert.

Nach einer Stunde Spielzeit wagte der Kalk/Deutzer-Spieler ein spektakuläres Manöver, das sich im Nachhinein als zu unvorbereitet und gewagt erwies. Er opferte zwei Figuren und zertrümmerte damit Dirks Königsstellung in der Hoffnung, ihn in die Brettmitte zu zwingen und mit der Dame mattzusetzen.

Das war mutig, aber zu riskant. Bei der Aktion sprang nur ein vermeintliches Dauerschach heraussprang, was nach dreifacher Zugwiederholung zu einem Remis führte. Dabei übersah Dirk die Fluchtmöglichkeit, mit dem König zwischenzeitlich auf f6 auszuweichen. Das hätte zwar weitere Schachgebote ermöglicht, hätte aber in einer Art Zick-Zack-Kurs einen Fluchtweg für den König eröffnet und mit zwei Figuren mehr wohl auch den Sieg für den Poller Spieler.     

Neuzugang Steffen Bergfeld steigert sich von Spiel zu Spiel und zeigte gegen einen Gegner mit einer Wertungszahl von immerhin 1611 einen starken Auftritt. Zwar eröffnete er recht unorthodox, indem er seinen weißen Läufer auf h3 entwickelte. Aber dann spielte er präzise und schnürte seinen Gegner zunehmend ein. Zwei weit vorgerückte Bauern im Zentrum zwangen den Kalk-Deutzer Spieler zunehmend zur Passivität. Steffen erhöhte den Druck auf die Königsstellung, und nach einem Qualitätsverlust gab der Spieler der Heimmannschaft auf.

Weniger glücklich lief es für Ralph Weber an Brett 1. Er konnte seine Partie lange ausgeglichen gestalten. Zwar hatte sein Gegner einen isolierten Freibauern auf der a-Linie, der aber wegen fehlender Unterstützung nicht allzu gefährlich schien. Es sah lange nach einem Remis aus.

Aber leider blockierte Ralph selbst durch einen Bauernzug im späten Mittelspiel seinen zuvor sehr aktiven schwarzen Läufer, so dass der bei der Verteidigung der a-Line nicht mehr mitwirken konnte und zu passiv wurde.  Zudem wurde der gegnerische Springer, der auf beiden Farben agieren konnte, im Zentrum immer flexibler und bedrohlicher. Der Verlust eines Bauern war nicht mehr zu verhindern. Nachdem Ralph sich an zwei Fronten der Freibauern erwehren musste, war die Stellung nicht mehr zu halten. Der Schachesel gab auf.

Schach-Routinier und Neumitglied Christoph Schadt erweist sich an dem oft tückischen und unterschätzen Brett 6 als der erhoffte Punktegarant. Allerdings hatte er es mit einer jungen Gegnerin ohne Wertungszahl zu tun, die zäh und geschickt verteidigte.

Als Christoph nach drei Stunden mit viel Beharrlichkeit zwei Mehrbauern herausarbeiten konnte, schien das eine Vorentscheidung zu sein. Aber die Kalk/Deutzer-Spielerin konnte einen Bauern zurückgewinnen, und ihr Freibauer wurde plötzlich zur Waffe.

Hier musste Christoph sehr präzise verteidigen. Zwischenzeitlich zeichnete sich sogar erneut ein Remis ab.  Aber Christoph behielt die Nerven, konnte die Drohung abwehren und seinen Mehrbauern ausspielen. Nach fast zwei Stunden stand sein Sieg fest.         

Die Poller Schachesel bestätigen das alte Sprichwort „Totgesagte leben länger“. Im vergangenen Sommer stand der Verein wegen Spielermangels und Finanzschwäche kurz vor der Auflösung. Der Start in eine weitere Saison galt als Mission Impossible. Doch mit Disziplin, tollen Neuzugängen und etwas Glück an manchen Spieltagen haben die Esel das kleine Wunder Klassenerhalt geschafft. Die Saison 2026/27 kann kommen.    

Claus Bürvenich

Am 7. Spieltag mussten die Schachesel ohne zwei Stammspielern antreten. An den hinteren Brettern kamen nach den Ausfällen von Hermann Meuter und Dieter Klemm die Neuzugänge Steffen Bergfeld und Christof Schadt zum Einsatz. Sie hatten an den Spielabenden bereits gezeigt, dass sie keine Platzhalter sind, sondern eine echte Verstärkung. Gegen die homogen besetzte zweite Mannschaft des SK Köln Südwest musste eine starke Leistung her, um weitere Punkte im Abstiegskampf zu sammeln. Der Spieler mit der niedrigsten Wertungszahl in der gegnerischen Mannschaft kann eine Zahl von 1524 vorweisen.  

Nach zwei enttäuschenden Niederlagen in Folge waren die von Personalnöten geplagten Schachesel auf den zehnten Tabellenplatz zurückgefallen. Durch einen 13:10-Auswärtssieg beim Satranc Club 2000 II konnte die Poller Mannschaft am 1. Februar 2026 nicht nur die rote Laterne abgeben, sondern auch einen Sprung auf Platz sieben machen. Damit verließ sie die Abstiegsränge.

Die Poller Schachesel treffen sich zu Spielabenden im Bürgerzentrum Engelshof, Oberstraße 96, 51149 Köln. Mit der Bahn ist das Zentrum mit der Linie 7 (Richtung Zündorf) erreichbar.

Von der Haltestelle Berliner Straße sind es etwa 10 Minuten zu Fuß. Wir beginnen um 18.30 Uhr.

Die nächsten Termine (jeweils Dienstag):

14. April 2026

12. Mai 2026

26. Mai 2026

9. Juni 2026

23. Juni 2026

Wer sich für Schach interessiert, ist herzlich eingeladen. Man muss keine großen Erfahrungen im Schach haben, und die Teilnahme ist kostenlos.

Beim Spielabend im Engelshof
Beim Spielabend im Engelshof
Das Bürgerzentrum Engelshof in der Oberstraße, das Spiellokal der Schachesel

Die Schachesel spielen traditionell rund um die Weihnachtszeit ein Blitzturnier. Diesmal handelte es sich allerdings nicht um das Weihnachtsblitz vor dem Fest, sondern um ein Neujahrsblitz. Das Turnier fand am 13. Januar 2026 im Spiellokal, dem Bürgerzentrum Engelshof, statt. Ganz subjektiv berichtet unser Mann vor Ort, Schachesel Dirk Heidtmann.