Die Poller Schachesel bleiben in der Bezirksklasse. Mit einem klaren 15:8-Sieg bei der Spielvereinigung Kalk-Deutz machten sie den Klassenerhalt schon am vorletzten Spieltag perfekt.

Dabei hatte zunächst alles nach einem Abstiegskrimi ausgesehen: Tabellenletzter gegen direkten Konkurrenten. Doch die Spannung verpuffte früh. Kalk-Deutz konnte die Bretter 3 und 4 nicht besetzen – zwei kampflose Punkte für Poll. Bitter für die Gastgeber, die ohnehin eine schwierige Saison hinter sich haben. Für die Esel Werner Zitz und Claus Bürvenich, die umsonst in Deutz waren, war das eher zu verschmerzen.
Sportlich wurde es trotzdem interessant. An Brett 2 kam es zum Duell zweier Staffelleiter im Schachverband Mittelrhein. Dirk Heidmann, der die Verbandsliga Süd betreut, spielte gegen Christoph Krenzel, der sich um unsere Bezirksklasse Ost kümmert.
Nach einer Stunde Spielzeit wagte der Kalk/Deutzer-Spieler ein spektakuläres Manöver, das sich im Nachhinein als zu unvorbereitet und gewagt erwies. Er opferte zwei Figuren und zertrümmerte damit Dirks Königsstellung in der Hoffnung, ihn in die Brettmitte zu zwingen und mit der Dame mattzusetzen.
Das war mutig, aber zu riskant. Bei der Aktion sprang nur ein vermeintliches Dauerschach heraussprang, was nach dreifacher Zugwiederholung zu einem Remis führte. Dabei übersah Dirk die Fluchtmöglichkeit, mit dem König zwischenzeitlich auf f6 auszuweichen. Das hätte zwar weitere Schachgebote ermöglicht, hätte aber in einer Art Zick-Zack-Kurs einen Fluchtweg für den König eröffnet und mit zwei Figuren mehr wohl auch den Sieg für den Poller Spieler.
Neuzugang Steffen Bergfeld steigert sich von Spiel zu Spiel und zeigte gegen einen Gegner mit einer Wertungszahl von immerhin 1611 einen starken Auftritt. Zwar eröffnete er recht unorthodox, indem er seinen weißen Läufer auf h3 entwickelte. Aber dann spielte er präzise und schnürte seinen Gegner zunehmend ein. Zwei weit vorgerückte Bauern im Zentrum zwangen den Kalk-Deutzer Spieler zunehmend zur Passivität. Steffen erhöhte den Druck auf die Königsstellung, und nach einem Qualitätsverlust gab der Spieler der Heimmannschaft auf.
Weniger glücklich lief es für Ralph Weber an Brett 1. Er konnte seine Partie lange ausgeglichen gestalten. Zwar hatte sein Gegner einen isolierten Freibauern auf der a-Linie, der aber wegen fehlender Unterstützung nicht allzu gefährlich schien. Es sah lange nach einem Remis aus.
Aber leider blockierte Ralph selbst durch einen Bauernzug im späten Mittelspiel seinen zuvor sehr aktiven schwarzen Läufer, so dass der bei der Verteidigung der a-Line nicht mehr mitwirken konnte und zu passiv wurde. Zudem wurde der gegnerische Springer, der auf beiden Farben agieren konnte, im Zentrum immer flexibler und bedrohlicher. Der Verlust eines Bauern war nicht mehr zu verhindern. Nachdem Ralph sich an zwei Fronten der Freibauern erwehren musste, war die Stellung nicht mehr zu halten. Der Schachesel gab auf.
Schach-Routinier und Neumitglied Christoph Schadt erweist sich an dem oft tückischen und unterschätzen Brett 6 als der erhoffte Punktegarant. Allerdings hatte er es mit einer jungen Gegnerin ohne Wertungszahl zu tun, die zäh und geschickt verteidigte.
Als Christoph nach drei Stunden mit viel Beharrlichkeit zwei Mehrbauern herausarbeiten konnte, schien das eine Vorentscheidung zu sein. Aber die Kalk/Deutzer-Spielerin konnte einen Bauern zurückgewinnen, und ihr Freibauer wurde plötzlich zur Waffe.
Hier musste Christoph sehr präzise verteidigen. Zwischenzeitlich zeichnete sich sogar erneut ein Remis ab. Aber Christoph behielt die Nerven, konnte die Drohung abwehren und seinen Mehrbauern ausspielen. Nach fast zwei Stunden stand sein Sieg fest.
Die Poller Schachesel bestätigen das alte Sprichwort „Totgesagte leben länger“. Im vergangenen Sommer stand der Verein wegen Spielermangels und Finanzschwäche kurz vor der Auflösung. Der Start in eine weitere Saison galt als Mission Impossible. Doch mit Disziplin, tollen Neuzugängen und etwas Glück an manchen Spieltagen haben die Esel das kleine Wunder Klassenerhalt geschafft. Die Saison 2026/27 kann kommen.
Claus Bürvenich